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Tuesday, 13 August 2013

Summer Break



This Blog has been on summer break for a while, mostly because I spend so much time outside and because there's been so much work. To cover the gap here's a few chunks from my summer literature:

'Salem's Lot' (Stephen King)
The essential and defining characteristic of childhood is not the effortless merging of dream and reality, but only alienation. 

Killing Floor, Jack Reacher No.1 (Lee Child)
In the end, a government’s primary duty is to defend the value of its currency. 

Conscious Loving: The Journey to Co-Committment (Gay Hendricks and Kathlyn Hendricks)
We have all had so little training in how to take true responsibility for our lives that we tend to slip into projection when the slightest stress occurs.

The Stand (Stephen King)
He stopped wanting to communicate, and when that happened the thinking process itself began to rust and disintegrate.

Travels with a Donkey in the Cevennes (Robert Louis Stevenson)
But we are all travellers in what John Bunyan calls the wilderness of this world—all, too, travellers with a donkey: and the best that we find in our travels is an honest friend. He is a fortunate voyager who finds many. We travel, indeed, to find them. They are the end and the reward of life. 

The Ocean at the End of the Lane: A Novel (Neil Gaiman)
In my dreams I have used that language to heal the sick and to fly; once I dreamed I kept a perfect little bed-and-breakfast by the seaside, and to everyone who came to stay with me I would say, in that tongue, “Be whole,” and they would become whole, not be broken people, not any longer, because I had spoken the language of shaping. 

Tripwire, Jack Reacher No.3 (Lee Child)

The whole point of drifting was happy passive acceptance of no alternatives.

Saturday, 9 June 2012

Die Zukunft des Physikers


Der heute 70jährige theoretische Physiker Stephen Hawking veröffentlichte 1988 "Eine kurze Geschichte der Zeit". Kein wissenschaftliches Buch hatte jemals solch großen Erfolg. Mit "Das Universum in der Nussschale" folgte 2001 ein weiteres, etwas leichter verständliches Werk über die Entwicklungen in der theoretischen Physik des 20sten Jahrhunderts.

Physiker sind stets der Meinung, in den nächsten Jahren den Durchbruch zur Entdeckung der alles erklärenden Weltformel zu erreichen. Da macht auch Mr. Hawking trotz seiner großen Klugheit keine Ausnahme. Gleichzeitig sind einige seiner Aussagen tatsächlich als prophetisch zu verstehen. 2001 schrieb er Folgendes:

Schon in zehn Jahren werden sich viele von uns für eine virtuelle Existenz im Netz sowie für Cyberfreundschaften und Cyberbeziehungen entscheiden.

Facbeook lässt grüßen.

Etwas bedenklicher: Mr. Hawking hält die gentechnische Veränderung von Menschen für eine sichere Tatsache. Er sagt ausdrücklich, dass er nicht dafür ist, er hält es einfach für umöglich, derartige Experimente (und Resultate) zu verhindern.
Zum Beispiel geht er davon aus, dass Embryonen in naher Zukunft außerhalb des menschlichen Körpers gezüchtet werden. Dadurch ließe sich das menschliche Gehirn vergrößern. Dessen Wachstum wird bei natürlicher Geburt durch den Umfang des Geburtskanals fest begrenzt.

Lose verknüpft mit diesem Thema steht aktuell in der Zeitung:

Wissenschaftler der University of Washington (Seattle) haben mit DNA-Analysen mütterlichen Bluts und Speichel des Vaters erstmalig das komplette Genom eines ungeborenen Kindes entziffert. In Deutschland wird es in Kürze einen Bluttest für das Downsyndrom geben. Die Firma Lifecodexx will noch im Juni den Test auf den Markt bringen. (ksta, 09.06.2012)

Gut daran: Der gesundheitlich und moralisch mehr als bedenklichen Fruchtwasseruntersuchung wird das Wasser abgegraben. Traurig: Menschen mit Downsyndrom werden in Zukunft noch seltener geboren. Dabei tragen sie soviel Licht in unsere Welt.

Saturday, 20 August 2011

Diät #2

Die Zeit liest man auch in Südfrankreich. Charlotte Roche unterhält sich im Magazin mit Jana Hensel über Sex. Singels sollen bumsen, wen sie finden können.

Feuchtgebiete (2008) übrigens: Wenn Bücher oder Filme explizit sexuelle Inhalte haben, ist die Mehrheit der geäußerten Meinungen nicht in der Lage, über Titten und Körperflüssigkeiten hinweg auf sonst gebräuchliche Qualitätsparameter zu blicken. Eine Standardmeinung zu Stanley Kubricks Eyes Wide Shut (1999) war in den ersten Monaten nach Erscheinung: "Der hat wohl seine sexuellen Phantasien ausleben wollen." Wesentlich, aber sowas von wesentlich wahrscheinlicher gibt diese Aussage einen Einblick in die Phantasien jener, die sie kundtaten. Eine Machtparabel läßt sich ohne Sex nicht erzählen. Jedenfalls nicht von jemandem, der sichtbar machen will.

Feuchtgebiete ist über alle den Körperkram hinweg ein präzise geschriebenes Buch, von dessen sprachlicher Schlichtheit sich so manche ein Scheibchen abschneiden könnten. Auch wenn 'Kacke-Schwitze' kein schönes Wort ist: Charlotte Roche erfindet einge sehr bunte und lustige.

Jetzt aber zurück zum Thema: Charlotte Roche war magersüchtig, hat sich heilen lassen und spricht darüber so offen, wie man es von ihr gewohnt ist. Folgende Worte las ich, kurz nachdem ich den letzten Artikel geschrieben hatte:

Ich glaube, dass Bilder uns krank machen. Wir sind ständig mit retuschierten Fotos von Frauenkörpern konfrontiert, irgendwann glauben wir, wir müssten so aussehen. Das hat mich krank gemacht. Aber wenn man sich von diesen Bildern fernhält, wird man wieder gesund!

Das passt nicht nur lose zum vorgestrigen Artikel, sondern auch zu meinem Leben hier. Ich sehe kaum Bilder - und ich sehe auch mich selbst kaum. Im Bad gibt es keinen Spiegel. Mein Bart sprießt, wohin er will.
Außerdem fällt mir auf, wie oft man sich in der Stadt gespieglt sieht: In jeder zweiten Glasfassade nämlich. Dem nicht mehr ausgesetzt zu sein, versorgt mich mit einem beträchtlichen Maß an frischer Energie.


Friday, 20 May 2011

Fromm #3

'The experience of union with god is by no means irrational. It is the most daring and radical consequence of rationalism.'

Saturday, 14 May 2011

Fromm #2

An Sigmund Freud scheiden sich die Geister. Da wird häufig pauschalisiert und flach getreten. Fromm schafft es allerdings, einem (und tatsächlich nur einem) der Grundzüge von Freuds Ansichten mit drei Sätzen den Wind aus den Segeln zu nehmen.

'According to Freud, the full and uninhibited satisfaction of all instinctual desires would create mental health and happiness. But the obvious clinical facts demonstrate that men - and women - who devote their lives to unresticted sexual satisfaction do not attain happiness, and very often suffer from severe neurotic conflicts or symptoms. The complete satisfaction of all instictual needs is not only not a basis for happiness, it does not even guarantee sanity.'

(The Art of Loving, S. 85)

Tuesday, 8 March 2011

Alltagsbuddhisten #3

Fritz Mühlenwegs Großer Tiger und Christian gehört zu den Büchern, die mit elf endgültig einen Leser aus mir gemacht haben. Zwei Zwölfjährige durchqueren im frühen 20sten Jahrhundert in Gesellschaft eines Schurken und eines Soldaten namens Glück per Lastwagen die Wüste Gobi. Die Geschichte atmet feinsinnige, menschenfreundliche Beobachtungsgabe und macht große Lust aufs Reisen. Unter den vielen guten Sätzen hat sich besonders einer als hartnäckig erwiesen. Er ist zwar nicht unmittelbar buddhistisch, aber wir wollen nicht kleinlich sein (nichtmal in meiner leicht abgewandelten Übersetzung):

In der Eile liegen Fehler.

Wer in der Stadt lebt, der gerät unweigerlich in zeitnötige Situationen. Es gilt, Termine einzuhalten, nicht zu spät zu kommen zu allen möglichen Anlässen von der Arbeit über den Sport bis zum Essen mit Freunden oder dem Kinofilm. Die Schnelligkeit, mit der man die Tasche packen und die Haustür hinter sich ins Schloss fallen lassen kann, kennt jeder. Ganz zu schweigen von der geringen Zeitmenge, die nötig ist, um einen Teller voll Essen zu leeren.

Ich bin kein regelmäßiger Konsument spiritueller Bücher. Da denke ich: Die Menge an Input sollte mit jener an Praxis in Einklang stehen. Manchmal springen mir aus Regalen Bücher entgegen, die mich zurechtrücken. So ging das neulich mit einem Gedichtband von Thích Nhất Hạnh: Nenne mich bei meinen wahren Namen.

Zugegeben: Der Titel muss nicht umbedingt Gutes verheißen. Ich dachte erstmal an seichtes Gelabere, obwohl der Autor großen Respekt genießt. Bereits nach drei Gedichten klang es anders in mir. Ich konnte den Spalt spüren, der sich zwischen den eigentlich inneren Zielen und der Wirklichkeit aufgetan hatte.

In der Eile liegen Fehler.

Das sage ich mir oft - und vergesse es sofort wieder. Gerate beim Abschließen des Fahrrades, beim Packen des Rucksacks oder am Fahrkartenautomaten in Hektik - schnelle Handgriffe, nicht genau hinsehen, zack, zack. Auf einmal gelingt es mir wieder, Ruhe zu finden. Meinen Händen nicht erlauben, sich schnell zu bewegen. Zielsicher jede Bewegung auszuführen. Der Effekt ist überraschend in seiner Stärke. Jetzt am Ball bleiben - schnell!

Monday, 27 December 2010

Kaffee am Strand


Umibe no Kafuka - So lautet der Titel von Murakamis 'Kafka am Strand' auf Japanisch. Ich gehöre zu den Schnöseln, die ausländische Bücher von Murakami oder auch Garcia Marquez lieber auf Englisch lesen. Schlimm, oder? Es könnte daran liegen, dass der Buchmarkt, der ja in Deutschland bekanntlich seit einiger Zeit gelinde gesagt neurotisch auftritt, nicht nur seine Autoren, sondern auch seine Übersetzer derart unter Druck setzt, dass sie in all der Hektik keine Zeit mehr haben für die Musik der Sprache - denn genau davon findet sich in den englischen Übersetzungen wesentlich mehr, als in den deutschen.

Vielleicht lässt sich der schönere Klang von Murakamis Büchern auf Englisch auch einfach darauf zurückführen, dass der gute Mann sich selbst in die Tradition angelsächsischer Literatur einordnet (er hat zum Beispiel Irving und Fitzgerald übersetzt).

Kafka am Strand also. Tolles Buch für Leute, die in die Einsamkeit gehen. Zum ersten Mal las ich es vor ein paar Jahren allein in einem Haus direkt an der Ostsee und fand mich gespiegelt zwischen den Zeilen.

Ein paar Jahre und eine Handvoll Murakami-Bücher später fiel mein Eindruck ein wenig flacher aus. Dieser bewundernswert phantasievolle, freie Autor hat weniger plakative Bücher geschrieben. Trotzdem ist die an Ödipus angelehnte Geschichte eines Ausnahme-15-jährigen absolut lesbar. Besonders Nakata-san und Hoshino waren mir auch beim zweiten Mal gern gesehene Gesellen - das Buch beginnt eigentlich erst mit der Reise dieser zwei schrägen Vögel richtig abzuheben.

Wer sich noch einmal daran erinnern will, wie es war, fünzehn zu sein und wer es gerne surreal hat, assoziativ und gleichzeitig kongruent, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.

Thursday, 5 August 2010

Einsamkeit und Sex und Mitleid / Helmut Krausser

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Seit längerem habe ich wieder ein Buch in einem Zug durchgelesen - es war spannend, lebendig, unterhaltsam, lesbar. Wir folgen einem satten Dutzend Figuren von Charlottenburg bis Neukölln quer durch Berlin. Versiffte Punks mit obligatorischer Ratte, der alternde Dr. mit seiner Kickbox-Geliebten, ein Callboy und eine Ex-Primaballerina mit Zuckungen, bekloppte Teenager und ein wirklich einsamer Lateinlehrer im Frühruhestand: Alle sind dabei und rühren kräftig in ihren eigenen und den Leben der anderen herum.

Dieses Berlin-Buch ist eine deutsche Antwort auf multi-narative Erzähltechnick wie wir sie aus Filmen wie L.A. Crash oder Magnolia kennen. Es ist sprachlich gewandt und konstruiert wie ein edle Armbanduhr: Alle notwendigen Rädchen greifen ineinander und das manche Fäden einfach ins Leere laufen ist eigentlich umso schöner. Meistens schafft Krausser, was mir in der aktuellen deutschen Literatur vielfach fehlt: Sprache und Inhalt sind authentisch (die Sprache von sogenannten Assi-Türken in Büchern nachzuahmen ist so eine Sache, wobei ich mir gut vorstellen kann, dass der Author, dessen enormer Fleiß durch alle Seiten weht, auch hier ganz genau recherchiert hat).

Ich kann nicht genauer beurteilen, ob Menschen in Deutschland tatsächlich so fühlen und leben, wie sie hier beschrieben werden: Es ist mein eigenes Lebensgefühl nicht - die sind mir alle zu hart, zu unnahbar und auf hoffnungslose, tiefe Art und Weise einsam.
Aber darum geht es ja auch nicht - auch wenn mir die Menschen übertrieben verkopft und hilf- und orientierungslos erscheinen, so fühlt sich doch die Gesamtheit der Geschichte echt an - echter als das meiste, was ich seit langem auf deutsch gelesen habe.

Der Titel wäre auch mit 'Einsamkeit und Sex' ausreichend. Von Mitleid merkt man nur manchmal dünne Ablagerungen zwischen den Zeilen. Aber er ist hymnen-musikalisch und schön. Gibt's bestimmt bald auch auf DVD.

Friday, 25 June 2010

Wer ist Wowe?

Auch jeder Nichtberliner kennt Klaus Wowereit. Genau! Der Typ, der sich damals als schwul geoutet hat - das ist schon lang vergangen und auch gar nicht mehr besonders interessant. Ich hab ihn einmal live erlebt, auf einer Jubiläumsfeier in Berlin.

Er kam mir damals sehr glatt vor - ganz anders als Horst Köhler, der ebenfalls eine kurze Rede hielt: Bei sachlich stabiler Mittellage war der Bundespräsident staubtrocken und unlocker - auffällig, wie er sich an seinen kleinen Zetteln festhielt, auf denen je ein Satz stand. Wowereit hingegen sprach schnell und ohne sich am Text festzuhalten, er bewegte sich hinter dem Rednerpult, er hatte Energie: Und massig Routine.

Benjamin von Stuckrad-Barre hat ihn vor einigen Jahren für eine Woche begleitet und aus seinen Eindrücken eine Reportage gemacht: Vorherrschender Eindruck: Die Terminfülle eines regierenden Bürgermeisters ist unglaublich. Zumal sich vieles buchstäblich auf dem Niveau vom Kaninchenzüchter-Verein abspielt.

Ein bißchen unglaublich ist auch Wowereits Biographie "Und das ist auch gut so". Dieses rasant lesbare Buch ist ein Stück kluge Selbstdarstellung, sicher. Gleichzeitig gibt es Einblick in den Berufsalltag eines deutschen Politikers, wie man ihn sonst nicht kennt. Die Motivationen, der Alltag, das Zustandekommen von Entscheidungen, der nervliche Druck, die Fülle verschiedener Aufgaben - die Medien.

Letztere bekommen besonders im letzten Kapitel des Buches, in dem Wowe es sich erlaubt, persönlichere Anliegen kundzutun, ihr Fett weg. Und sicher nicht zu unrecht: Denn vielleicht ist es mittlerweile nicht mehr falsch zu sagen, dass sich unsere Medienlandschaft schlechte Angewohntheiten zugelegt hat, die ihrem eigentlichen Teilauftrag, Demokratie fördernd zu wirken, entgegenstehen. Obwohl Wowe mit schier unerschöpflicher Enerige und Nervenstärke gesegnet ist, fühlt er sich stark eingeengt - macht er einen dummen Scherz in der Nähe einer Kamera, steht das am nächsten Tag völlig verdreht in der Zeitung (so geschehen z.B. mit einem Pump und einer Sektflasche).
Armer Wowe! wird nun der ein- oder andere antworten. Doch ich frage mich: Was wollen wir denn?

Die Politiker sollen den besten Job der Welt machen, sie sollen unbequeme Entscheidungen treffen, Mut beweisen am laufenden Band und natürlich superfit sein in allen Sachfragen - gleichzeitig bekommen sie beinahe aussschließlich Schelte und diese dann auch noch auf niedrigstem Niveau.

Bezeichnend Wowes Story, als er einmal nach Californien reiste, um Arni einen Besuch abzustatten und (durchaus wirkungsvoll) das Berliner Filmgeschäft anzukurbeln. Alle Berliner Zeitungen hatten ihm Journalisten zur Seite gestellt. Diese begannen sich nach dem zweiten Tag abzusetzen: Wowes Programm hieß nämlich wie üblich: Termine von ganz früh bis ganz spät. Da lagen die Texter dann lieber auch mal am Strand (vielleicht in der Hoffnung, Pamela Anderson käme vorbeigejoggt).

Die Berliner Zeitungen zeigten dann allerdings ein Bild von Wowe im Liegestuhl - und stellten ihn (nicht zum ersten Mal) als großen Urlauber dar: Wer von uns würde da seinen Humor behalten?

Interessant auch seine Aussage, die großen deutschen Zeitungen seien oft schlimmer als das Boulevard - von dem weiß man ja, was einen erwartet. Wenn aber in einer großen Wochenzeitung in langen Artikeln nichts steht als halbseidenen Annahmen - die allerdings klug formuliert auftreten und sich unter dem Deckmantel der Seriösität des Blattes von vorne herein eines nicht verdienten Respektes sicher sein dürfen, dann gebe ich eher ihm Recht, als den Journalisten.

In jedem Fall: Als Blick hinter die Kulissen der deutschen Politik-Szene eignet sich "Und das ist auch gut so" ganz bestimmt.