Pures Genie.
Die Darstellung von youtube-Filmen funktioniert hier nicht richtig. Witzigerweise, denn Blogspot kommt vom gleichen Verein.
Hier also nur der Link zu
Monty Python's Best Sketch Ever
Sunday, 5 September 2010
Thursday, 12 August 2010
Hans Magnus
Im Zeit-Magazin ein Interview mit Enzensberger.
99 Fragen, Instant-Gespräch; kurz, knapp, unterhaltsam.
Frage 63:
Was gibt's eigentlich dauernd zu grinsen?
Heiterkeit ist eine moralische Frage. Mürrische Leute, die andere mit ihren Problemen behelligen, die halte ich für rücksichtslos.
--
Zwar würde ich nicht sagen, dass ich uneingeschränkt mit dieser Aussage einer Meinung bin (immerhin ist Enzensberger 80, er darf sich wesentlich mehr erlauben), aber man verstehe sie als Lob der Heiterkeit!
99 Fragen, Instant-Gespräch; kurz, knapp, unterhaltsam.
Frage 63:
Was gibt's eigentlich dauernd zu grinsen?
Heiterkeit ist eine moralische Frage. Mürrische Leute, die andere mit ihren Problemen behelligen, die halte ich für rücksichtslos.
--
Zwar würde ich nicht sagen, dass ich uneingeschränkt mit dieser Aussage einer Meinung bin (immerhin ist Enzensberger 80, er darf sich wesentlich mehr erlauben), aber man verstehe sie als Lob der Heiterkeit!
Thursday, 5 August 2010
Einsamkeit und Sex und Mitleid / Helmut Krausser
.
Seit längerem habe ich wieder ein Buch in einem Zug durchgelesen - es war spannend, lebendig, unterhaltsam, lesbar. Wir folgen einem satten Dutzend Figuren von Charlottenburg bis Neukölln quer durch Berlin. Versiffte Punks mit obligatorischer Ratte, der alternde Dr. mit seiner Kickbox-Geliebten, ein Callboy und eine Ex-Primaballerina mit Zuckungen, bekloppte Teenager und ein wirklich einsamer Lateinlehrer im Frühruhestand: Alle sind dabei und rühren kräftig in ihren eigenen und den Leben der anderen herum.
Dieses Berlin-Buch ist eine deutsche Antwort auf multi-narative Erzähltechnick wie wir sie aus Filmen wie L.A. Crash oder Magnolia kennen. Es ist sprachlich gewandt und konstruiert wie ein edle Armbanduhr: Alle notwendigen Rädchen greifen ineinander und das manche Fäden einfach ins Leere laufen ist eigentlich umso schöner. Meistens schafft Krausser, was mir in der aktuellen deutschen Literatur vielfach fehlt: Sprache und Inhalt sind authentisch (die Sprache von sogenannten Assi-Türken in Büchern nachzuahmen ist so eine Sache, wobei ich mir gut vorstellen kann, dass der Author, dessen enormer Fleiß durch alle Seiten weht, auch hier ganz genau recherchiert hat).
Ich kann nicht genauer beurteilen, ob Menschen in Deutschland tatsächlich so fühlen und leben, wie sie hier beschrieben werden: Es ist mein eigenes Lebensgefühl nicht - die sind mir alle zu hart, zu unnahbar und auf hoffnungslose, tiefe Art und Weise einsam.
Aber darum geht es ja auch nicht - auch wenn mir die Menschen übertrieben verkopft und hilf- und orientierungslos erscheinen, so fühlt sich doch die Gesamtheit der Geschichte echt an - echter als das meiste, was ich seit langem auf deutsch gelesen habe.
Der Titel wäre auch mit 'Einsamkeit und Sex' ausreichend. Von Mitleid merkt man nur manchmal dünne Ablagerungen zwischen den Zeilen. Aber er ist hymnen-musikalisch und schön. Gibt's bestimmt bald auch auf DVD.
Seit längerem habe ich wieder ein Buch in einem Zug durchgelesen - es war spannend, lebendig, unterhaltsam, lesbar. Wir folgen einem satten Dutzend Figuren von Charlottenburg bis Neukölln quer durch Berlin. Versiffte Punks mit obligatorischer Ratte, der alternde Dr. mit seiner Kickbox-Geliebten, ein Callboy und eine Ex-Primaballerina mit Zuckungen, bekloppte Teenager und ein wirklich einsamer Lateinlehrer im Frühruhestand: Alle sind dabei und rühren kräftig in ihren eigenen und den Leben der anderen herum.
Dieses Berlin-Buch ist eine deutsche Antwort auf multi-narative Erzähltechnick wie wir sie aus Filmen wie L.A. Crash oder Magnolia kennen. Es ist sprachlich gewandt und konstruiert wie ein edle Armbanduhr: Alle notwendigen Rädchen greifen ineinander und das manche Fäden einfach ins Leere laufen ist eigentlich umso schöner. Meistens schafft Krausser, was mir in der aktuellen deutschen Literatur vielfach fehlt: Sprache und Inhalt sind authentisch (die Sprache von sogenannten Assi-Türken in Büchern nachzuahmen ist so eine Sache, wobei ich mir gut vorstellen kann, dass der Author, dessen enormer Fleiß durch alle Seiten weht, auch hier ganz genau recherchiert hat).
Ich kann nicht genauer beurteilen, ob Menschen in Deutschland tatsächlich so fühlen und leben, wie sie hier beschrieben werden: Es ist mein eigenes Lebensgefühl nicht - die sind mir alle zu hart, zu unnahbar und auf hoffnungslose, tiefe Art und Weise einsam.
Aber darum geht es ja auch nicht - auch wenn mir die Menschen übertrieben verkopft und hilf- und orientierungslos erscheinen, so fühlt sich doch die Gesamtheit der Geschichte echt an - echter als das meiste, was ich seit langem auf deutsch gelesen habe.
Der Titel wäre auch mit 'Einsamkeit und Sex' ausreichend. Von Mitleid merkt man nur manchmal dünne Ablagerungen zwischen den Zeilen. Aber er ist hymnen-musikalisch und schön. Gibt's bestimmt bald auch auf DVD.
Tuesday, 3 August 2010
Frisch Gepresst
Das mit der Presse ist so eine Sache.
Ich war früher jemand, der nicht genug davon kriegen konnte, in Cafés, in Zügen, an Straßenecken, in Parks oder sonstwo zu sitzen und, am besten in Begleitung eines guten alten Pappbechers Kaffee Zeitungen oder Magazine zu lesen.
Mit der Zeit weniger geworden.
Hier drei Beispiele dafür, warum Presse nicht mehr so viel Spaß macht:
1. Horst Köhler
Noch immer klingen die letzten Wehen durch die Blätter. Vor einigen Tagen las ich einen umfangreichen Artikel, in dem der Autor versuchte, Köhlers Abgang zu verstehen. Das fiel ihm schwer. Dabei war Köhlers Begründung in ihrem Inhalt einfach und deutlich: Aussagen von ihm waren von der Presse verdreht und, motiviert vom Hunger nach verkaufter Schlagzeile groß aufgeblasen worden. Köhler wollte nicht mehr Präsident eines Landes sein, in dem derart miteinander und mit der Wahrheit umgegangen wird. Der Journalist wusste zu sagen, dass die Rücktrittserklärung sechs Sätze lang gewesen war. Mit keinem Wort jedoch bezog er sich auf deren Inhalt (der ja auch ihn betrifft), er spekulierte lieber über Verschwörungen und Geheimnisse im Schloss Bellevue, er spekulierte wild und poetisch. Aber kann es das sein?
Sicher. Es gab andere Gründe für Köhlers Rücktritt und von diesen werden wir, wenn überhaupt erst erfahren, wenn es zumindest die Schlagzeilen nicht mehr interessiert. Trotz allem war seine Aussage einfach und klar, tauchte aber in der Berichterstattung so gut wie nicht auf.
Warum? Weil sie der Presse, die leider viel zu oft schön daherreden, selten aber etwas sagen kann, ans Bein pinkelte. Es kommt mir so vor, als wären viele Journalisten schon so im Sumpft verdreht worden, dass sie nicht einmal bewusst am Thema vorbeirreden. Das beängstigt mich ein wenig.
2. Philip Lahm
Zum Ende der WM las man an allen Ecken und Enden von Machtkampf, Kapitänsfrage und Duell zwischen Lahm und Ballack.
Wer genau hinliest, oder wer über tatsächlich von Herrn Lahm getroffene Aussagen stolpert, der findet davon nichts. Er sagte, dass er den Job gerne macht und gerne weitermachen würde. Alles weitere wird hinein geblasen, weil es interessanter klingt und sich besser verkauft.
Natürlich ist es nicht ganz verkehrt, dass sich in dieser Frage ein Konflikt verbergen könnte. Aber er ist nicht ausgebrochen und er findet nur in den Köpfen der Leute statt. Da wird zusammenspekliert - und längst nicht nur vom Boulevard, sondern von allen. Es lässt sich weder beweisen noch leugnen und deswegen ist es erstmal wahr.
Was macht so etwas mit unserem Denken? Wir wissen kaum noch Dinge. Wer wirklich Einfluss hat, hat längst Verschwiegenheit gelernt. Otto Normal liest Spektulationen und darf sich einbilden, er wüsste was.
3. Love Parade
Auch hier wird von der Presse gebauscht, dass es weh tut.
Die steigende Zahl der Toten ist für Schlagzeilenschreiber ein Fest. Dass es erstmal keinen Schuldigen gibt: Umso besser! Da kann man getrost in alle Richtungen austeilen. Überhaupt der Volkssport des Beschuldigens. Die anderen sind immer dümmer als man selbst. Man hätte es bestimt besser gemacht.
Heute steht der Duisburger OB tatsächlich vor einer Abwahl. Fühlt sich nun irgendjemand besser? Ein trauriges Ereignis wird durch die nachfolgende Schreierei von allen Seiten nocht trauriger. Und die Art und Weise, wie gierig nach Schuld gesucht wird - wieder: beängstigend.
Ich war früher jemand, der nicht genug davon kriegen konnte, in Cafés, in Zügen, an Straßenecken, in Parks oder sonstwo zu sitzen und, am besten in Begleitung eines guten alten Pappbechers Kaffee Zeitungen oder Magazine zu lesen.
Mit der Zeit weniger geworden.
Hier drei Beispiele dafür, warum Presse nicht mehr so viel Spaß macht:
1. Horst Köhler
Noch immer klingen die letzten Wehen durch die Blätter. Vor einigen Tagen las ich einen umfangreichen Artikel, in dem der Autor versuchte, Köhlers Abgang zu verstehen. Das fiel ihm schwer. Dabei war Köhlers Begründung in ihrem Inhalt einfach und deutlich: Aussagen von ihm waren von der Presse verdreht und, motiviert vom Hunger nach verkaufter Schlagzeile groß aufgeblasen worden. Köhler wollte nicht mehr Präsident eines Landes sein, in dem derart miteinander und mit der Wahrheit umgegangen wird. Der Journalist wusste zu sagen, dass die Rücktrittserklärung sechs Sätze lang gewesen war. Mit keinem Wort jedoch bezog er sich auf deren Inhalt (der ja auch ihn betrifft), er spekulierte lieber über Verschwörungen und Geheimnisse im Schloss Bellevue, er spekulierte wild und poetisch. Aber kann es das sein?
Sicher. Es gab andere Gründe für Köhlers Rücktritt und von diesen werden wir, wenn überhaupt erst erfahren, wenn es zumindest die Schlagzeilen nicht mehr interessiert. Trotz allem war seine Aussage einfach und klar, tauchte aber in der Berichterstattung so gut wie nicht auf.
Warum? Weil sie der Presse, die leider viel zu oft schön daherreden, selten aber etwas sagen kann, ans Bein pinkelte. Es kommt mir so vor, als wären viele Journalisten schon so im Sumpft verdreht worden, dass sie nicht einmal bewusst am Thema vorbeirreden. Das beängstigt mich ein wenig.
2. Philip Lahm
Zum Ende der WM las man an allen Ecken und Enden von Machtkampf, Kapitänsfrage und Duell zwischen Lahm und Ballack.
Wer genau hinliest, oder wer über tatsächlich von Herrn Lahm getroffene Aussagen stolpert, der findet davon nichts. Er sagte, dass er den Job gerne macht und gerne weitermachen würde. Alles weitere wird hinein geblasen, weil es interessanter klingt und sich besser verkauft.
Natürlich ist es nicht ganz verkehrt, dass sich in dieser Frage ein Konflikt verbergen könnte. Aber er ist nicht ausgebrochen und er findet nur in den Köpfen der Leute statt. Da wird zusammenspekliert - und längst nicht nur vom Boulevard, sondern von allen. Es lässt sich weder beweisen noch leugnen und deswegen ist es erstmal wahr.
Was macht so etwas mit unserem Denken? Wir wissen kaum noch Dinge. Wer wirklich Einfluss hat, hat längst Verschwiegenheit gelernt. Otto Normal liest Spektulationen und darf sich einbilden, er wüsste was.
3. Love Parade
Auch hier wird von der Presse gebauscht, dass es weh tut.
Die steigende Zahl der Toten ist für Schlagzeilenschreiber ein Fest. Dass es erstmal keinen Schuldigen gibt: Umso besser! Da kann man getrost in alle Richtungen austeilen. Überhaupt der Volkssport des Beschuldigens. Die anderen sind immer dümmer als man selbst. Man hätte es bestimt besser gemacht.
Heute steht der Duisburger OB tatsächlich vor einer Abwahl. Fühlt sich nun irgendjemand besser? Ein trauriges Ereignis wird durch die nachfolgende Schreierei von allen Seiten nocht trauriger. Und die Art und Weise, wie gierig nach Schuld gesucht wird - wieder: beängstigend.
Tuesday, 20 July 2010
Lasse
Leute, ich bin ein Schwein!
In den letzten Tagen bin ich einfach nicht dazu gekommen, mich dem Blog zuzuwenden - Arbeit am Schauspielhaus Köln, zwei Wochen Proben an einem neuen Tanztheater-Stück in Zusammenarbeit mit Oliver Möller, Rückkehr aus Norwegen und jetzt ein Seminar vom DRK:
Ich bin nur unterwegs.
Hier ist noch ein Nachschlag (nicht der letzte, es kommen noch ein paar Bilder) zu Norwegen. "Faen" heißt übrigens "Teufel" und wird ungefähr benutzt wie in Deutschland "Scheiße".
In den letzten Tagen bin ich einfach nicht dazu gekommen, mich dem Blog zuzuwenden - Arbeit am Schauspielhaus Köln, zwei Wochen Proben an einem neuen Tanztheater-Stück in Zusammenarbeit mit Oliver Möller, Rückkehr aus Norwegen und jetzt ein Seminar vom DRK:
Ich bin nur unterwegs.
Hier ist noch ein Nachschlag (nicht der letzte, es kommen noch ein paar Bilder) zu Norwegen. "Faen" heißt übrigens "Teufel" und wird ungefähr benutzt wie in Deutschland "Scheiße".
Wednesday, 7 July 2010
Rasen
Mit WM und allem rasen die Tage. Ich bin seit Freitag wieder in Deutschland: Nach der norwegischen Ruhe weht mir die Hektik Kölns doppelt und dreifach ins Gesicht.
Allein der Verkehr: Die Belastung, welche Lärm und die besonders bei schwülem Wetter nur knapp unter der Oberfläche lauernde Aggressivität auf das Nervensystem ausüben, wird aus der Ruhe heraus deutlicher spürbar. Ich fahre mit dem Rad Richtung Innenstadt, hänge immer wieder lange an Ampeln fest, deren Schaltrhythmus mich von einem Rot zum nächsten leitet. Radfahrer schreien unachtsame Fußgänger an, Autofahrer passen nicht auf und überfahren mich beinahe, einmal schreie ich selbst, weil ein abbiegender SUV aus München ohne Rücksicht auf Verluste auf mich zuschießt. Offenbar bin ich laut genug: Die Fahrerin wendet erschrocken den Kopf und bremst. So viel Streß wie in den letzten fünf Minuten habe ich während der drei vergangenen Wochen nicht gespürt. Ich habe das Gefühl, mein Körper wird fünf Tage brauchen, um allein diese Spannung vollkommen abzubauen (und so geht es weiter).
Es wird bald noch mehr Bilder geben: Dann kann ich auch das neu gestrichene Haus in seiner Pracht zeigen..
Jetzt drücken wir erstmal die Daumen für die Mannschaft.
Allein der Verkehr: Die Belastung, welche Lärm und die besonders bei schwülem Wetter nur knapp unter der Oberfläche lauernde Aggressivität auf das Nervensystem ausüben, wird aus der Ruhe heraus deutlicher spürbar. Ich fahre mit dem Rad Richtung Innenstadt, hänge immer wieder lange an Ampeln fest, deren Schaltrhythmus mich von einem Rot zum nächsten leitet. Radfahrer schreien unachtsame Fußgänger an, Autofahrer passen nicht auf und überfahren mich beinahe, einmal schreie ich selbst, weil ein abbiegender SUV aus München ohne Rücksicht auf Verluste auf mich zuschießt. Offenbar bin ich laut genug: Die Fahrerin wendet erschrocken den Kopf und bremst. So viel Streß wie in den letzten fünf Minuten habe ich während der drei vergangenen Wochen nicht gespürt. Ich habe das Gefühl, mein Körper wird fünf Tage brauchen, um allein diese Spannung vollkommen abzubauen (und so geht es weiter).
Es wird bald noch mehr Bilder geben: Dann kann ich auch das neu gestrichene Haus in seiner Pracht zeigen..
Jetzt drücken wir erstmal die Daumen für die Mannschaft.
Friday, 25 June 2010
Wer ist Wowe?
Auch jeder Nichtberliner kennt Klaus Wowereit. Genau! Der Typ, der sich damals als schwul geoutet hat - das ist schon lang vergangen und auch gar nicht mehr besonders interessant. Ich hab ihn einmal live erlebt, auf einer Jubiläumsfeier in Berlin.
Er kam mir damals sehr glatt vor - ganz anders als Horst Köhler, der ebenfalls eine kurze Rede hielt: Bei sachlich stabiler Mittellage war der Bundespräsident staubtrocken und unlocker - auffällig, wie er sich an seinen kleinen Zetteln festhielt, auf denen je ein Satz stand. Wowereit hingegen sprach schnell und ohne sich am Text festzuhalten, er bewegte sich hinter dem Rednerpult, er hatte Energie: Und massig Routine.
Benjamin von Stuckrad-Barre hat ihn vor einigen Jahren für eine Woche begleitet und aus seinen Eindrücken eine Reportage gemacht: Vorherrschender Eindruck: Die Terminfülle eines regierenden Bürgermeisters ist unglaublich. Zumal sich vieles buchstäblich auf dem Niveau vom Kaninchenzüchter-Verein abspielt.
Ein bißchen unglaublich ist auch Wowereits Biographie "Und das ist auch gut so". Dieses rasant lesbare Buch ist ein Stück kluge Selbstdarstellung, sicher. Gleichzeitig gibt es Einblick in den Berufsalltag eines deutschen Politikers, wie man ihn sonst nicht kennt. Die Motivationen, der Alltag, das Zustandekommen von Entscheidungen, der nervliche Druck, die Fülle verschiedener Aufgaben - die Medien.
Letztere bekommen besonders im letzten Kapitel des Buches, in dem Wowe es sich erlaubt, persönlichere Anliegen kundzutun, ihr Fett weg. Und sicher nicht zu unrecht: Denn vielleicht ist es mittlerweile nicht mehr falsch zu sagen, dass sich unsere Medienlandschaft schlechte Angewohntheiten zugelegt hat, die ihrem eigentlichen Teilauftrag, Demokratie fördernd zu wirken, entgegenstehen. Obwohl Wowe mit schier unerschöpflicher Enerige und Nervenstärke gesegnet ist, fühlt er sich stark eingeengt - macht er einen dummen Scherz in der Nähe einer Kamera, steht das am nächsten Tag völlig verdreht in der Zeitung (so geschehen z.B. mit einem Pump und einer Sektflasche).
Armer Wowe! wird nun der ein- oder andere antworten. Doch ich frage mich: Was wollen wir denn?
Die Politiker sollen den besten Job der Welt machen, sie sollen unbequeme Entscheidungen treffen, Mut beweisen am laufenden Band und natürlich superfit sein in allen Sachfragen - gleichzeitig bekommen sie beinahe aussschließlich Schelte und diese dann auch noch auf niedrigstem Niveau.
Bezeichnend Wowes Story, als er einmal nach Californien reiste, um Arni einen Besuch abzustatten und (durchaus wirkungsvoll) das Berliner Filmgeschäft anzukurbeln. Alle Berliner Zeitungen hatten ihm Journalisten zur Seite gestellt. Diese begannen sich nach dem zweiten Tag abzusetzen: Wowes Programm hieß nämlich wie üblich: Termine von ganz früh bis ganz spät. Da lagen die Texter dann lieber auch mal am Strand (vielleicht in der Hoffnung, Pamela Anderson käme vorbeigejoggt).
Die Berliner Zeitungen zeigten dann allerdings ein Bild von Wowe im Liegestuhl - und stellten ihn (nicht zum ersten Mal) als großen Urlauber dar: Wer von uns würde da seinen Humor behalten?
Interessant auch seine Aussage, die großen deutschen Zeitungen seien oft schlimmer als das Boulevard - von dem weiß man ja, was einen erwartet. Wenn aber in einer großen Wochenzeitung in langen Artikeln nichts steht als halbseidenen Annahmen - die allerdings klug formuliert auftreten und sich unter dem Deckmantel der Seriösität des Blattes von vorne herein eines nicht verdienten Respektes sicher sein dürfen, dann gebe ich eher ihm Recht, als den Journalisten.
In jedem Fall: Als Blick hinter die Kulissen der deutschen Politik-Szene eignet sich "Und das ist auch gut so" ganz bestimmt.
Monday, 21 June 2010
Tourista
Ich bin derzeit in Norwegen. Übrigens: Heute um 13.28 ist Sommersonnenwende!
Aussicht von meiner alten Arbeitsstelle über den Mjøsa. Der weiße Fleck links im Wasser ist der "Skibladner", ein sehr alter Schaufelraddampfer.
Wanderung im "Totenåsen" - auch hier wunderbare Aussicht überall
Flechten zeichnen abstrakte Bilder auf Stein
Unsere Wegweiser
Wasserspiele
Seen dienen als Orientierungshilfe
Langsam, ganz langsam sinkt die Sonne
Schafe liegen schonmal gern mitten auf der Straße. Vor laufenden Menschen rennen sie weg - Autos hingegen werden nicht als Gefahr wahrgenommen
Wie die Schafe, so die Kühe..
Monday, 14 June 2010
Erste Bilder aus N
Der Mjøsa, der größe Binnensee Norwegens aus der Richtung von Minnesund: Die Landstraße Richtung Lillehammer und Gjøvik führt etwa 20km eng am Steilhang des Ufers entlang. Ich bin die Strecke zum ersten Mal selbst mit dem Auto gefahren - die Haltebuchten mit den besten Aussichten rauschten alle an mir vorbei.
Das Haus, in dem ich gerade wohne. Es gibt eine gemütliche Südterasse. Dort lässt es sich wunderbar lesen und in der Sonne braten. Zwei Katzen zur Gesellschaft, ein Klavier und hunderte guter Bücher. Diese Haus frisch zu streichen wird in den nächsten Wochen mein Job sein.
Dieses Bild habe ich nach 21 Uhr abends aufgenommen - da ist es noch immer taghell, auch wenn die Schatten schon lang sind. Die Gebirgskette hinten liegt beriets außerhalb des Sonnelichts - hell genug für einen Spaziergang ist es die ganze Nacht.
Thursday, 10 June 2010
Abendrot eingeholt
Flughafen Düsseldorf. Kurz nach 21 Uhr. Langsame Dämmerung. Vor mir blättert eine blonde Schöne im Handelsblatt. Ein kleines, afrikanisches Mädchen lächelt ihr zu. Der Vater der Kleinen sammelt sie im Vorbeigehen ein - sie sprechen eine klonkerige Sprache. Drüben zwei Hünen, große Männer mit breiten Schultern, Muskel-Armen und kantigen, gutaussehenden Gesichtern. Der eine hat langes, sonnengebleichtes Blondhaar, der andere erinnert an Tom Waits, trägt ein Cappi und hat ein blaues Auge. Wahrscheinlich ein Sportunfall - müssen Norweger sein.
Boarding Time. Alle stehen Schlange, außer die blonde Schöne, die zwei Typen und ich. Ein üblich schäl-nettes Dreierpaket sich laut unterhaltender Deutscher - die wollen unbewusst, dass alle mithören - sie sind so froh, dass sie nicht alleine sind.
Jetzt im Flugzeug. Edle Maschine, eine Boeing 737. Schwarze Ledersessel und ausklappbare Bildschirme von oben. Habe eine ganze Sechser-Reihe für mich, so leer ist es.
In der Nähe der dänischen Grenze. 7000 Fuß, 14 Grad, leichter Nordwind. Eine halbe Stunde vor der Zeit. Gerade fahren die Stewardessen mit ihrem Kaffee-Wagen vorbei. Ein hustende Inderin vor mir bestellt Cola mit Eis. Ich verkrieche mich ins Buch. Sie sprechen mich an mit 'Sir?' - fühle mich immer noch wie sechzehn.
Wir fliegen ins Licht. Im Norden ein heller Streifen zwischen Wolkendecke und dem nach oben dunklen Himmel. - Jetzt sieht man schon das erste Orange - als flögen wir in den Morgen, dabei ist die Sonne schon einmal untergegangen.
Jetzt Rot in den Wolken. Erst dachte ich, da unten stünde eine Hundertschaft dänischer Treibhäuser, aber nein: Wir haben das Abendrot eingeholt, es färbt die dünne Wolkenschicht unter uns, es breitet sich aus.
Tatsächlich taucht die Sonne auf. Erst ist sie verborgen von der Tragfläche, dann aber macht der Flieger einen Schlenker, der Flügel senkt sich und für einen Moment scheint sie mich an.
Als die Wolkendecke aufreißt und die Küste sichbar wird, sehe ich sie wieder - wir fliegen eine Kurve nach Westen - da schwebt dieser Wahnsinnsball orange-golden und so klar, wie es nur im Norden möglich ist leuchtend am Himmel.
Noch bevor wir Land überfliegen nimmt der Pilot das Tempo raus: Unter uns zeichnet sich die zerbröselte Linie des vertrauten, im Sommer so sanften Landes ins Wasser.
Teilweise bewölkt, leichter Nordwind, 13 Grad.
Monday, 7 June 2010
Brüder müsste man sein
Aus dem Tagebuch eines Landstreichers:
Ich saß im Zug und dachte nichts Böses. Das tue ich in Zügen grundsätzlich nicht. Vielleicht sind böse Gedanken zu schwer und kommen mit dem Tempo des Schienenverkehrs nicht mit. Ich saß da also auf der Treppe ins untere Stockwerk des RE1-Doppeldeckers und hatte geschickt den Schienenersatzverkehr umschifft, welcher mir auf der Hinfahrt stundenlang das Gefühl gegeben hatte, auf Reisen zu sein.
In meinem Gepäck befand sich eine Wasserwaage. Ein Meter, gelb. Vor mir eine Horde Bier saufender Reinländer in schwarzen Polohemden: Die waren gut drauf! Ich tippte auf eine Wochenend-Sauftour (es war Sonntag Abend). Die einen sangen aus voller Kehle und gar nicht schlecht, die anderen machten umliegende Frauen an, einer trank schon Wasser und der dickste von allen versuchte, die zwei letzten gemeinsamen Kölsch in einer Kneipe am Deutzer Bahnhof zu organisieren.
Mit gegenüber saß einer, der fand meine Wasserwaage sehr interessant. Sein Blick hing schon etwas schief, vielleicht wollte er deswegen alle zwei Kilometer wissen, ob noch alles im Lote sei. Immer mehr Leute quetschten sich in den Waggon, wir hatten eine Viertelstunde Verspätung. Hinter mir lachte ein Kind im Kinderwagen, oben saß auf der Treppe ein dicker Junge und tat, was einzelreisende Jungen tun: Er tippte auf seinem Handy herum.
Der Organisator kam mit seinen zwei Kölsch so richtig nicht durch: Die Polohemden ließen Deutz links liegen, sie kamen aus der Eifel und wollten zurück zu ihren Ehefrauen. Mein Wasserwaagen-Fan gesellte sich zu mir und traute sich endlich zu fragen, was ich denn mit dem Ding wolle. Ich erzählte ihm natürlich eine wilde Lügengeschichte, die Wahrheit kann doch sowieso keiner vertragen. Seine Geschichte war auch viel interessanter: Die Polohemden, sechs an der Zahl, waren alle Brüder! Sie kamen frisch aus Halle an der Saale, dort waren sie (mit Begleitfahrzeug) 480 Kilometer Rad gefahren. Während in der Eifel die Sonne schien und sich die Ehefrauen in den Schatten verzogen, radelten die Männer durch neun Grad Kälte - das machen die jedes Jahr. Wahnsinn! Brüder müsste man sein!
Ich saß im Zug und dachte nichts Böses. Das tue ich in Zügen grundsätzlich nicht. Vielleicht sind böse Gedanken zu schwer und kommen mit dem Tempo des Schienenverkehrs nicht mit. Ich saß da also auf der Treppe ins untere Stockwerk des RE1-Doppeldeckers und hatte geschickt den Schienenersatzverkehr umschifft, welcher mir auf der Hinfahrt stundenlang das Gefühl gegeben hatte, auf Reisen zu sein.
In meinem Gepäck befand sich eine Wasserwaage. Ein Meter, gelb. Vor mir eine Horde Bier saufender Reinländer in schwarzen Polohemden: Die waren gut drauf! Ich tippte auf eine Wochenend-Sauftour (es war Sonntag Abend). Die einen sangen aus voller Kehle und gar nicht schlecht, die anderen machten umliegende Frauen an, einer trank schon Wasser und der dickste von allen versuchte, die zwei letzten gemeinsamen Kölsch in einer Kneipe am Deutzer Bahnhof zu organisieren.
Mit gegenüber saß einer, der fand meine Wasserwaage sehr interessant. Sein Blick hing schon etwas schief, vielleicht wollte er deswegen alle zwei Kilometer wissen, ob noch alles im Lote sei. Immer mehr Leute quetschten sich in den Waggon, wir hatten eine Viertelstunde Verspätung. Hinter mir lachte ein Kind im Kinderwagen, oben saß auf der Treppe ein dicker Junge und tat, was einzelreisende Jungen tun: Er tippte auf seinem Handy herum.
Der Organisator kam mit seinen zwei Kölsch so richtig nicht durch: Die Polohemden ließen Deutz links liegen, sie kamen aus der Eifel und wollten zurück zu ihren Ehefrauen. Mein Wasserwaagen-Fan gesellte sich zu mir und traute sich endlich zu fragen, was ich denn mit dem Ding wolle. Ich erzählte ihm natürlich eine wilde Lügengeschichte, die Wahrheit kann doch sowieso keiner vertragen. Seine Geschichte war auch viel interessanter: Die Polohemden, sechs an der Zahl, waren alle Brüder! Sie kamen frisch aus Halle an der Saale, dort waren sie (mit Begleitfahrzeug) 480 Kilometer Rad gefahren. Während in der Eifel die Sonne schien und sich die Ehefrauen in den Schatten verzogen, radelten die Männer durch neun Grad Kälte - das machen die jedes Jahr. Wahnsinn! Brüder müsste man sein!
Tuesday, 1 June 2010
Hapes Welt
Momentan bin ich Arbeitendebevölkerung. Morgens falle von der Tür auf die Straße und von der Straße in eine Bäckerei. Mit Brötchen und Kaffee stehe ich am Straßenbahnsteig vor dem 'Express'-Automaten. Jeden Morgen baut sich vor mir das gleiche Ensemble auf: Ein rauchender Business-Mann, dessen Herkunft ich auf Indien rate. Er raucht mit sehr viel Herz dabei, er zieht fest an den Kippen und umgibt sich mit Qualm, dass es eine Freunde ist.
Dann ein sportlich-schlanker Mann mit kurzen, graumelierten Haaren und sein Hund. Der Hund hat Handtaschenformat und eine graumelierte Schnauze - sein Körper ist vor Alter schon ganz steif, oft hat er den Stummelschwanz zwischen die Beine geklemmt, so als wär ihm sonst kalt. Manchmal trägt er in der Schnauze ein völlig verquetsches Wollhäschen, sein Stofftier. Der Hund hält sich (wie viele Hunde) für einen Menschen. Die Töne, die er zu seinem Herrchen spricht, sind beinahe Worte - so deutlich.
Der Latinotyp ist auch dabei. Sehr selbstbewusst, die Haare zurück gestriegelt, ein großer Kopf, elegante Bewegungen und eine Handtasche, die zumindest wie Louis Vuitton aussieht. Er strahlt überlegene Gleichgültigkeit aus, das macht er auf den ersten Blick ganz gut. Als die Fahrkarten-Kontrolleure kamen, war er natürlich dran, aber auch dabei völlig entspannt. Sein Pass sah aus wie dreimal mitgewaschen.
Die Bahn fährt mich zur Arbeit, der gesamte Weg dauert eine Stunde. Ich habe viel Zeit zum Lesen - gerade ist mir Hape Kerkelings 'Ich bin dann mal weg' in die Hände gefallen.
Mit den Seiten wird es immer lesbarer und auch immer lustiger. Hape ist nicht nur aufgrund seiner bewundernswerten geraden Zielstrebigkeit ein so guter Komiker, sondern weil er die Welt immer mit lachenden Augen betrachtet. Nicht, dass er nicht traurig oder ernsthaft sein kann - im Gegenteil. Er versteht es bloß, zurückzukommen auf den Witz in allem. Und er kann Menschen dazu bewegen, ihre Geschichten zu erzählen: Diese Gabe hätte ich auch gerne!
Ich bin noch nicht fertig mit dem Buch. Ob er sich auf seinem Weg noch einmal fragen wird, ob Gott etwas mit Humor zu tun hat?
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