Ich bin zurück von einer kleinen Berlinreise. Man, ist es dort dunkel!
Für Rhythmus-Liebhaber:
Wednesday, 24 November 2010
Tuesday, 9 November 2010
Der nächste Frühling wird grün
Mal wieder ein Beispiel für die Natur der Medien:
In diesem Jahr wurden entlang der Venloer Straße im Herzen Köln-Ehrenfelds 63 Platanen gefällt.
Riesengeschrei! Mehrfach schafft es dieser 'Skandal' auf die erste Seite des Lokalteils (die Bäume, die aufgrund der U-Bahn-Trasse unter der Straße nicht tief genug wurzeln konnten, waren einfach nicht mehr sicher).
Ende vergangener Woche dann: Plötzlich, still und heimlich die Pflanzung der versprochenen neuen Bäume. Sie sind bereits vier Meter hoch und werden im Frühling sicher schon eine dicke Dosis Grün in die letztlich so karge Straße bringen.
In den Medien: Kein Wort von der guten Nachricht.
In diesem Jahr wurden entlang der Venloer Straße im Herzen Köln-Ehrenfelds 63 Platanen gefällt.
Riesengeschrei! Mehrfach schafft es dieser 'Skandal' auf die erste Seite des Lokalteils (die Bäume, die aufgrund der U-Bahn-Trasse unter der Straße nicht tief genug wurzeln konnten, waren einfach nicht mehr sicher).
Ende vergangener Woche dann: Plötzlich, still und heimlich die Pflanzung der versprochenen neuen Bäume. Sie sind bereits vier Meter hoch und werden im Frühling sicher schon eine dicke Dosis Grün in die letztlich so karge Straße bringen.
In den Medien: Kein Wort von der guten Nachricht.
Wednesday, 3 November 2010
Das letzte Gelb
Bevor die längst gelb verfärbten Blätter zu Boden gehen, muss der Städter noch einmal in den Wald. Die Premiere in Köln ist gelaufen - zu lesen über Karin Beiers "Das Werk/Im Bus/Ein Sturz" geben die Zeitungen. Ich habe mich aufs Land verzogen und bin nach einer Nacht schnellem Schlaf in der Stille aufgebrochen in den nächsten größeren Wald.
Manchmal schon habe ich mich gefragt, ob ich mich verlaufe, weil ich das insgeheim so will. Erst wer sich verlaufen hat, dessen Augen öffnen sich richtig. Selbst wenn man nicht weit von zuhause den Weg verliert, befindet man sich auf einmal in der Ferne. Der Alltag löst sich beinahe vollständig auf, wenn man nicht mehr weiß, wo man ist.
Ich verlief mich. Fand den Parkplatz nicht wieder. Fand den Waldrand zwar, hatte aber keine Ahnung, auf welcher Seite ich rausgekommen war. Die Straße jedenfalls hatte ich noch nie gesehen. Autos rasten direkt an meinen Ellbogen vorbei, LKW's schwankten, der Himmel war sehr grau und ich war sehr allein. Die Häuser trugen "Betreten verboten"-Schilder. Ich hatte auch Hunger und Durst, bloß Joghurt zum Frühstück, Scheiße.
Auf der Straße entschied ich mich für eine Richtung. In der Ferne ein blaues Parkplatz-Schild. Meiner? Nein. Es gab eine Karte - ohne Standortmarkierung allerdings. Ich musste deduktiv vorgehen (zum Glück hatte ich gerade Guy Ritchies 'Sherlock Holmes' gesehen). Die Technik half: Ich konnte die Karte fotografieren und mich unterwegs der Richtung versichern.
Heute Nacht großer Wind: Jetzt sind es schon viel weniger Blätter.
Tuesday, 26 October 2010
Brittany Murphy - The Dead Girl
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Sin City ist ein Film, den fast jeder gesehen hat. Manchen ist Brittany Murphy in der Episode 'The Big Fat Kill' an der Seite Clive Owens aufgefallen.
Oder in 8 Mile. Hier spielte sie Eminems trashige Quasi-Freundin. Ich fand damals ihre Darstellung so echt, dass ich begann, ihre Karriere zu verfolgen. Sie starb Ende letzten Jahres 32-jährig.
Drei Jahre zuvor hatte sie in einem kleinen Streifen von Karen Moncrieff mit dem Titel The Dead Girl mitgewirkt. An ihrer Seite spielen unter anderen Toni Colette, Marcia Gay Harden, Giovanni Ribisi und Josh Brolin - alle bekannt nicht nur für gutes Schauspiel, sondern auch für ihre Auswahl guter Filme.
Murphy gibt das tote Mädchen - zu Beginn wird irgendwo auf dem Land die Leiche eines Mädchens entdeckt. Episodenhaft rollte sich die Geschichte von hinten auf.
Die Abschnitte lassen den Fall exemplarisch werden: Im Kapitel "Die Schwester" begegnen wir der jungen Pathologie-Doktorandin Leah, welche die Leiche untersucht. Ihre eigene Schwester ist vor 15 Jahren verschwunden. Leah leidet bis heute darunter. Für einen kurzen Moment fühlt sie sich befreit, weil der Verdacht ensteht, die Leiche könne die ihrer Schwester sein. Der kurze Moment genügt, um endlich den hübschen Laborkollegen kennen zu lernen, denn der Irrtum folgt auf dem Fuß und sie wird Hilfe brauchen.
Gruselig: "Die Ehefrau". Hier treffen wir die Frau des Mörders, der immer wieder tagelang verschwindet - natürlich ohne zu sagen wohin. Die Stimmung im Haushalt der beiden wirkt schauriger als es eine Darstellung seiner Taten erreicht hätte.
Wie gewohnt großartig spielt Marcia Gay Harden als Mutter des toten Mädchens. Sie reist nach L.A. und findet eine junge Prostituierte, mit der die Verstorbene Zimmer und Bett geteilt hat. Die Mutter erfährt erst jetzt, dass ihre Tochter früher jahrelang vom Stiefvater missbraucht wurde.
Im letzten Kapitel begegnen wir Murphy. Trashig, müde, abgenutzt und mit verkratzter Stimme. Einmal versucht sie Josh Brolin in einem grandios dahin gerotzten Monolog einen Gefallen abzuschwatzen: Großes Tennis.
Es erscheint mir bemerkenswert, dass die Schauspielerin einige Jahre später selbst einen frühen Tod gestorben ist, der wenn auch nicht mit Drogen, so jedenfalls mit Medikamenten in Zusammenhang stand. Nicht nur im Falle Heath Ledgers ist das Leben wieder mal traurig gewesen. Murphys Ehemann starb nur fünf Monate später im gleichen Haus unter ähnlichen Umständen.
Thursday, 21 October 2010
Einer ohne Worte
Valhalla Rising
An der Qualität von 'Valhalla Rising' scheiden sich die Geister. Man kann den Film als dänisch auffassen, auch wenn er europäisch produziert wurde. Der Regisseur Nicolas Winding Refn kommt, genau wie Hauptdarsteller Mads Mikkelsen aus unserem nördlichen Nachbarland.
Selten sind Streifen, in denen die Hauptfigur kein einziges Wort spricht. Endlich ein neuer! Mikkelsen, spätestens seit Jerry Bruckheimers verunglücktem King Arthur (2004) ein besondere Empfehlung auch als Action-Darsteller in dreckigen Mittelalter-Filmen, sagt während des ganzen Films kein einziges Wort. Er grunzt nicht einmal beim kämpfen. Und weil er so eine Art wikingischer Kampfsklave ist, prügelt er sich regelmäßig und gewinnt immer - einäugig.
Vielleicht wollte Refn mit diesem Film einen Kontrapunkt setzen zu Ridley Scotts The Conquest of Paradise (1992), worin Gérard Depardieu als Kolumbus mit ansehen musste, wie seine bescheuerten spanischen Adelskollegen massenweise Eingeborene umbrachten. In Valhalla Rising landet eine Handvoll Wikinger um 1000 a.D. an Nordamerikas Küste. Der nunmehr freie 'One-Eye', dessen Träume gelegentlich zukünftiges vorweg nehmen, hilft den Eingeborenen bei der Dezimierung seiner durchdrehenden Kollegen, bis nur noch der heimatlose Junge übrig ist, den Einauge im Schlepptau mit über den Ozean geführt hat - die Eroberung des Paradieses bleibt auf dieser Tour aus.
Nicht nur die Hauptfigur spricht wenig. Die Wikinger sind überhaupt sehr wortkarg. Der Film ist in Kapitel geteilt. Ruhig und zielsicher reiht sich Bild an Bild. Ein Antifilm - aber ein schöner, ein brutaler, ein besonderer.
An der Qualität von 'Valhalla Rising' scheiden sich die Geister. Man kann den Film als dänisch auffassen, auch wenn er europäisch produziert wurde. Der Regisseur Nicolas Winding Refn kommt, genau wie Hauptdarsteller Mads Mikkelsen aus unserem nördlichen Nachbarland.
Selten sind Streifen, in denen die Hauptfigur kein einziges Wort spricht. Endlich ein neuer! Mikkelsen, spätestens seit Jerry Bruckheimers verunglücktem King Arthur (2004) ein besondere Empfehlung auch als Action-Darsteller in dreckigen Mittelalter-Filmen, sagt während des ganzen Films kein einziges Wort. Er grunzt nicht einmal beim kämpfen. Und weil er so eine Art wikingischer Kampfsklave ist, prügelt er sich regelmäßig und gewinnt immer - einäugig.
Vielleicht wollte Refn mit diesem Film einen Kontrapunkt setzen zu Ridley Scotts The Conquest of Paradise (1992), worin Gérard Depardieu als Kolumbus mit ansehen musste, wie seine bescheuerten spanischen Adelskollegen massenweise Eingeborene umbrachten. In Valhalla Rising landet eine Handvoll Wikinger um 1000 a.D. an Nordamerikas Küste. Der nunmehr freie 'One-Eye', dessen Träume gelegentlich zukünftiges vorweg nehmen, hilft den Eingeborenen bei der Dezimierung seiner durchdrehenden Kollegen, bis nur noch der heimatlose Junge übrig ist, den Einauge im Schlepptau mit über den Ozean geführt hat - die Eroberung des Paradieses bleibt auf dieser Tour aus.
Nicht nur die Hauptfigur spricht wenig. Die Wikinger sind überhaupt sehr wortkarg. Der Film ist in Kapitel geteilt. Ruhig und zielsicher reiht sich Bild an Bild. Ein Antifilm - aber ein schöner, ein brutaler, ein besonderer.
Tuesday, 19 October 2010
Im Kino: Twelve
Ein modelschöner junger Mann steht mit zerwuschelten Haaren einsam auf New Yorker Dächern. In den Straßen und Parktunneln von Manhattan verkauft er Drogen aus Harlem an seine alten Klassenkameraden. Die sind alle so reich, dass sie nicht wissen, wohin mit all dem Geld, dem Erfolgsdruck und der ganzen Gefühlskälte. White Mike, der Dealer ist verglichen mit ihnen ein armer Schlucker. Seine Mutter ist gestorben, der Vater kellnert. Wir erleben hier eine Wiederholung dieses Kernelements amerikanischer Geschichten - den Tod eines Familienmitglieds.
Kiefer Sutherland gibt aus dem Off Informationen über die Protagonisten. Seine raue, zeitlose Stimme allein macht diesen Film (neben all den schönen Gesichtern) guckbar. Zwar ist das Lebensgefühl dieser neurotischen Generation reicher Immernoch-Teenager für uns Mittelgewichtseuropäer schwer nachvollziehbar, aber allein weil sie alle so unreal schön daher kommen, gucken wir ihnen gerne beim Abkacken zu. Am Ende heißt es dann, wie üblich in Amerika: Live the best life you can.
Kiefer Sutherland gibt aus dem Off Informationen über die Protagonisten. Seine raue, zeitlose Stimme allein macht diesen Film (neben all den schönen Gesichtern) guckbar. Zwar ist das Lebensgefühl dieser neurotischen Generation reicher Immernoch-Teenager für uns Mittelgewichtseuropäer schwer nachvollziehbar, aber allein weil sie alle so unreal schön daher kommen, gucken wir ihnen gerne beim Abkacken zu. Am Ende heißt es dann, wie üblich in Amerika: Live the best life you can.
Monday, 18 October 2010
Zurück zu den Wörseln?
Ich hatte mal einen Ballettlehrer, der besonders durch seine Körpergröße von sich reden machte. Er war sehr klein. Ungefähr einsfünfzig.
Obwohl er seit 30 Jahren in Essen lebte, sprach er kaum deutsch. Das lag auch daran, dass die Deutschen immer ganz wild darauf sind, englisch zu sprechen.
Er bezeichnete sich selbst als den ungeschlagenen Pirouetten-König, damals in den goldenen Tagen am Royal Ballet. Dem konnte man Glauben schenken - es gibt Menschen, die können sich einfach drehen und er gehörte dazu.
Einmal versuchte er uns klar zu machen, wie sehr man den Fußballen beim Drehen im Boden verankern muss. Er fragte: "How do you say 'root' in German?" - "Wurzel!" schrien wir - "OK, you have to put your foot into the ground like a Wörsel!" schrie er zurück und alle wörselten durcheinander.
Meine Frage ist gerade, ob ich den Blog wieder in die Hauptseite zurückbauen soll. Seit einem Monat nicht geschrieben: Was ist denn das?
Derzeit arbeite ich am Schauspielhaus Köln. Es ist, wie es immer war: Die Tänzer werden vom Theater verarscht. Mehr dazu folgt spätestens in einem Monat...
Obwohl er seit 30 Jahren in Essen lebte, sprach er kaum deutsch. Das lag auch daran, dass die Deutschen immer ganz wild darauf sind, englisch zu sprechen.
Er bezeichnete sich selbst als den ungeschlagenen Pirouetten-König, damals in den goldenen Tagen am Royal Ballet. Dem konnte man Glauben schenken - es gibt Menschen, die können sich einfach drehen und er gehörte dazu.
Einmal versuchte er uns klar zu machen, wie sehr man den Fußballen beim Drehen im Boden verankern muss. Er fragte: "How do you say 'root' in German?" - "Wurzel!" schrien wir - "OK, you have to put your foot into the ground like a Wörsel!" schrie er zurück und alle wörselten durcheinander.
Meine Frage ist gerade, ob ich den Blog wieder in die Hauptseite zurückbauen soll. Seit einem Monat nicht geschrieben: Was ist denn das?
Derzeit arbeite ich am Schauspielhaus Köln. Es ist, wie es immer war: Die Tänzer werden vom Theater verarscht. Mehr dazu folgt spätestens in einem Monat...
Tuesday, 7 September 2010
Thilos Thesen
Man kommt an dem Thema nicht vorbei. Die Presse freut sich darüber, jetzt, wo Ballack ausgequetscht wurde wie die letzte Zitrone.
In jeder Tageszeitung finden sich erschreckende Leserbriefe, die noch viel dümmer sind, als was gemeinhin von Sarrazin gehalten wird. Da wird nach Härte geschrien von Menschen, deren eigene Erfahrungswerte mit dem Thema ich stark anzweifle. Mir wird davon angst und bange, wesentlich mehr als von den Worten eines sicherlich spröden, vielleicht sogar misanthropischen Bankers, der seine Hausaufgaben gemacht hat.
Hier ist der Artikel einer türischen Soziologin. Sie hat, im Gegensatz zu den meisten, Sarrazins Buch wirklich gelesen und geht ohne zu schreien auf dessen Inhalte ein. Nur weil jemand schreibt, er könne ja ins Morgenland reisen, wenn er den Muezzin hören will, muss er nicht gleich böse sein (auch wenn ich selbst gerne erstmal davon ausgehen möchte).
In jeder Tageszeitung finden sich erschreckende Leserbriefe, die noch viel dümmer sind, als was gemeinhin von Sarrazin gehalten wird. Da wird nach Härte geschrien von Menschen, deren eigene Erfahrungswerte mit dem Thema ich stark anzweifle. Mir wird davon angst und bange, wesentlich mehr als von den Worten eines sicherlich spröden, vielleicht sogar misanthropischen Bankers, der seine Hausaufgaben gemacht hat.
Hier ist der Artikel einer türischen Soziologin. Sie hat, im Gegensatz zu den meisten, Sarrazins Buch wirklich gelesen und geht ohne zu schreien auf dessen Inhalte ein. Nur weil jemand schreibt, er könne ja ins Morgenland reisen, wenn er den Muezzin hören will, muss er nicht gleich böse sein (auch wenn ich selbst gerne erstmal davon ausgehen möchte).
Sunday, 5 September 2010
Woody Type of Quality
Pures Genie.
Die Darstellung von youtube-Filmen funktioniert hier nicht richtig. Witzigerweise, denn Blogspot kommt vom gleichen Verein.
Hier also nur der Link zu
Monty Python's Best Sketch Ever
Die Darstellung von youtube-Filmen funktioniert hier nicht richtig. Witzigerweise, denn Blogspot kommt vom gleichen Verein.
Hier also nur der Link zu
Monty Python's Best Sketch Ever
Thursday, 12 August 2010
Hans Magnus
Im Zeit-Magazin ein Interview mit Enzensberger.
99 Fragen, Instant-Gespräch; kurz, knapp, unterhaltsam.
Frage 63:
Was gibt's eigentlich dauernd zu grinsen?
Heiterkeit ist eine moralische Frage. Mürrische Leute, die andere mit ihren Problemen behelligen, die halte ich für rücksichtslos.
--
Zwar würde ich nicht sagen, dass ich uneingeschränkt mit dieser Aussage einer Meinung bin (immerhin ist Enzensberger 80, er darf sich wesentlich mehr erlauben), aber man verstehe sie als Lob der Heiterkeit!
99 Fragen, Instant-Gespräch; kurz, knapp, unterhaltsam.
Frage 63:
Was gibt's eigentlich dauernd zu grinsen?
Heiterkeit ist eine moralische Frage. Mürrische Leute, die andere mit ihren Problemen behelligen, die halte ich für rücksichtslos.
--
Zwar würde ich nicht sagen, dass ich uneingeschränkt mit dieser Aussage einer Meinung bin (immerhin ist Enzensberger 80, er darf sich wesentlich mehr erlauben), aber man verstehe sie als Lob der Heiterkeit!
Thursday, 5 August 2010
Einsamkeit und Sex und Mitleid / Helmut Krausser
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Seit längerem habe ich wieder ein Buch in einem Zug durchgelesen - es war spannend, lebendig, unterhaltsam, lesbar. Wir folgen einem satten Dutzend Figuren von Charlottenburg bis Neukölln quer durch Berlin. Versiffte Punks mit obligatorischer Ratte, der alternde Dr. mit seiner Kickbox-Geliebten, ein Callboy und eine Ex-Primaballerina mit Zuckungen, bekloppte Teenager und ein wirklich einsamer Lateinlehrer im Frühruhestand: Alle sind dabei und rühren kräftig in ihren eigenen und den Leben der anderen herum.
Dieses Berlin-Buch ist eine deutsche Antwort auf multi-narative Erzähltechnick wie wir sie aus Filmen wie L.A. Crash oder Magnolia kennen. Es ist sprachlich gewandt und konstruiert wie ein edle Armbanduhr: Alle notwendigen Rädchen greifen ineinander und das manche Fäden einfach ins Leere laufen ist eigentlich umso schöner. Meistens schafft Krausser, was mir in der aktuellen deutschen Literatur vielfach fehlt: Sprache und Inhalt sind authentisch (die Sprache von sogenannten Assi-Türken in Büchern nachzuahmen ist so eine Sache, wobei ich mir gut vorstellen kann, dass der Author, dessen enormer Fleiß durch alle Seiten weht, auch hier ganz genau recherchiert hat).
Ich kann nicht genauer beurteilen, ob Menschen in Deutschland tatsächlich so fühlen und leben, wie sie hier beschrieben werden: Es ist mein eigenes Lebensgefühl nicht - die sind mir alle zu hart, zu unnahbar und auf hoffnungslose, tiefe Art und Weise einsam.
Aber darum geht es ja auch nicht - auch wenn mir die Menschen übertrieben verkopft und hilf- und orientierungslos erscheinen, so fühlt sich doch die Gesamtheit der Geschichte echt an - echter als das meiste, was ich seit langem auf deutsch gelesen habe.
Der Titel wäre auch mit 'Einsamkeit und Sex' ausreichend. Von Mitleid merkt man nur manchmal dünne Ablagerungen zwischen den Zeilen. Aber er ist hymnen-musikalisch und schön. Gibt's bestimmt bald auch auf DVD.
Seit längerem habe ich wieder ein Buch in einem Zug durchgelesen - es war spannend, lebendig, unterhaltsam, lesbar. Wir folgen einem satten Dutzend Figuren von Charlottenburg bis Neukölln quer durch Berlin. Versiffte Punks mit obligatorischer Ratte, der alternde Dr. mit seiner Kickbox-Geliebten, ein Callboy und eine Ex-Primaballerina mit Zuckungen, bekloppte Teenager und ein wirklich einsamer Lateinlehrer im Frühruhestand: Alle sind dabei und rühren kräftig in ihren eigenen und den Leben der anderen herum.
Dieses Berlin-Buch ist eine deutsche Antwort auf multi-narative Erzähltechnick wie wir sie aus Filmen wie L.A. Crash oder Magnolia kennen. Es ist sprachlich gewandt und konstruiert wie ein edle Armbanduhr: Alle notwendigen Rädchen greifen ineinander und das manche Fäden einfach ins Leere laufen ist eigentlich umso schöner. Meistens schafft Krausser, was mir in der aktuellen deutschen Literatur vielfach fehlt: Sprache und Inhalt sind authentisch (die Sprache von sogenannten Assi-Türken in Büchern nachzuahmen ist so eine Sache, wobei ich mir gut vorstellen kann, dass der Author, dessen enormer Fleiß durch alle Seiten weht, auch hier ganz genau recherchiert hat).
Ich kann nicht genauer beurteilen, ob Menschen in Deutschland tatsächlich so fühlen und leben, wie sie hier beschrieben werden: Es ist mein eigenes Lebensgefühl nicht - die sind mir alle zu hart, zu unnahbar und auf hoffnungslose, tiefe Art und Weise einsam.
Aber darum geht es ja auch nicht - auch wenn mir die Menschen übertrieben verkopft und hilf- und orientierungslos erscheinen, so fühlt sich doch die Gesamtheit der Geschichte echt an - echter als das meiste, was ich seit langem auf deutsch gelesen habe.
Der Titel wäre auch mit 'Einsamkeit und Sex' ausreichend. Von Mitleid merkt man nur manchmal dünne Ablagerungen zwischen den Zeilen. Aber er ist hymnen-musikalisch und schön. Gibt's bestimmt bald auch auf DVD.
Tuesday, 3 August 2010
Frisch Gepresst
Das mit der Presse ist so eine Sache.
Ich war früher jemand, der nicht genug davon kriegen konnte, in Cafés, in Zügen, an Straßenecken, in Parks oder sonstwo zu sitzen und, am besten in Begleitung eines guten alten Pappbechers Kaffee Zeitungen oder Magazine zu lesen.
Mit der Zeit weniger geworden.
Hier drei Beispiele dafür, warum Presse nicht mehr so viel Spaß macht:
1. Horst Köhler
Noch immer klingen die letzten Wehen durch die Blätter. Vor einigen Tagen las ich einen umfangreichen Artikel, in dem der Autor versuchte, Köhlers Abgang zu verstehen. Das fiel ihm schwer. Dabei war Köhlers Begründung in ihrem Inhalt einfach und deutlich: Aussagen von ihm waren von der Presse verdreht und, motiviert vom Hunger nach verkaufter Schlagzeile groß aufgeblasen worden. Köhler wollte nicht mehr Präsident eines Landes sein, in dem derart miteinander und mit der Wahrheit umgegangen wird. Der Journalist wusste zu sagen, dass die Rücktrittserklärung sechs Sätze lang gewesen war. Mit keinem Wort jedoch bezog er sich auf deren Inhalt (der ja auch ihn betrifft), er spekulierte lieber über Verschwörungen und Geheimnisse im Schloss Bellevue, er spekulierte wild und poetisch. Aber kann es das sein?
Sicher. Es gab andere Gründe für Köhlers Rücktritt und von diesen werden wir, wenn überhaupt erst erfahren, wenn es zumindest die Schlagzeilen nicht mehr interessiert. Trotz allem war seine Aussage einfach und klar, tauchte aber in der Berichterstattung so gut wie nicht auf.
Warum? Weil sie der Presse, die leider viel zu oft schön daherreden, selten aber etwas sagen kann, ans Bein pinkelte. Es kommt mir so vor, als wären viele Journalisten schon so im Sumpft verdreht worden, dass sie nicht einmal bewusst am Thema vorbeirreden. Das beängstigt mich ein wenig.
2. Philip Lahm
Zum Ende der WM las man an allen Ecken und Enden von Machtkampf, Kapitänsfrage und Duell zwischen Lahm und Ballack.
Wer genau hinliest, oder wer über tatsächlich von Herrn Lahm getroffene Aussagen stolpert, der findet davon nichts. Er sagte, dass er den Job gerne macht und gerne weitermachen würde. Alles weitere wird hinein geblasen, weil es interessanter klingt und sich besser verkauft.
Natürlich ist es nicht ganz verkehrt, dass sich in dieser Frage ein Konflikt verbergen könnte. Aber er ist nicht ausgebrochen und er findet nur in den Köpfen der Leute statt. Da wird zusammenspekliert - und längst nicht nur vom Boulevard, sondern von allen. Es lässt sich weder beweisen noch leugnen und deswegen ist es erstmal wahr.
Was macht so etwas mit unserem Denken? Wir wissen kaum noch Dinge. Wer wirklich Einfluss hat, hat längst Verschwiegenheit gelernt. Otto Normal liest Spektulationen und darf sich einbilden, er wüsste was.
3. Love Parade
Auch hier wird von der Presse gebauscht, dass es weh tut.
Die steigende Zahl der Toten ist für Schlagzeilenschreiber ein Fest. Dass es erstmal keinen Schuldigen gibt: Umso besser! Da kann man getrost in alle Richtungen austeilen. Überhaupt der Volkssport des Beschuldigens. Die anderen sind immer dümmer als man selbst. Man hätte es bestimt besser gemacht.
Heute steht der Duisburger OB tatsächlich vor einer Abwahl. Fühlt sich nun irgendjemand besser? Ein trauriges Ereignis wird durch die nachfolgende Schreierei von allen Seiten nocht trauriger. Und die Art und Weise, wie gierig nach Schuld gesucht wird - wieder: beängstigend.
Ich war früher jemand, der nicht genug davon kriegen konnte, in Cafés, in Zügen, an Straßenecken, in Parks oder sonstwo zu sitzen und, am besten in Begleitung eines guten alten Pappbechers Kaffee Zeitungen oder Magazine zu lesen.
Mit der Zeit weniger geworden.
Hier drei Beispiele dafür, warum Presse nicht mehr so viel Spaß macht:
1. Horst Köhler
Noch immer klingen die letzten Wehen durch die Blätter. Vor einigen Tagen las ich einen umfangreichen Artikel, in dem der Autor versuchte, Köhlers Abgang zu verstehen. Das fiel ihm schwer. Dabei war Köhlers Begründung in ihrem Inhalt einfach und deutlich: Aussagen von ihm waren von der Presse verdreht und, motiviert vom Hunger nach verkaufter Schlagzeile groß aufgeblasen worden. Köhler wollte nicht mehr Präsident eines Landes sein, in dem derart miteinander und mit der Wahrheit umgegangen wird. Der Journalist wusste zu sagen, dass die Rücktrittserklärung sechs Sätze lang gewesen war. Mit keinem Wort jedoch bezog er sich auf deren Inhalt (der ja auch ihn betrifft), er spekulierte lieber über Verschwörungen und Geheimnisse im Schloss Bellevue, er spekulierte wild und poetisch. Aber kann es das sein?
Sicher. Es gab andere Gründe für Köhlers Rücktritt und von diesen werden wir, wenn überhaupt erst erfahren, wenn es zumindest die Schlagzeilen nicht mehr interessiert. Trotz allem war seine Aussage einfach und klar, tauchte aber in der Berichterstattung so gut wie nicht auf.
Warum? Weil sie der Presse, die leider viel zu oft schön daherreden, selten aber etwas sagen kann, ans Bein pinkelte. Es kommt mir so vor, als wären viele Journalisten schon so im Sumpft verdreht worden, dass sie nicht einmal bewusst am Thema vorbeirreden. Das beängstigt mich ein wenig.
2. Philip Lahm
Zum Ende der WM las man an allen Ecken und Enden von Machtkampf, Kapitänsfrage und Duell zwischen Lahm und Ballack.
Wer genau hinliest, oder wer über tatsächlich von Herrn Lahm getroffene Aussagen stolpert, der findet davon nichts. Er sagte, dass er den Job gerne macht und gerne weitermachen würde. Alles weitere wird hinein geblasen, weil es interessanter klingt und sich besser verkauft.
Natürlich ist es nicht ganz verkehrt, dass sich in dieser Frage ein Konflikt verbergen könnte. Aber er ist nicht ausgebrochen und er findet nur in den Köpfen der Leute statt. Da wird zusammenspekliert - und längst nicht nur vom Boulevard, sondern von allen. Es lässt sich weder beweisen noch leugnen und deswegen ist es erstmal wahr.
Was macht so etwas mit unserem Denken? Wir wissen kaum noch Dinge. Wer wirklich Einfluss hat, hat längst Verschwiegenheit gelernt. Otto Normal liest Spektulationen und darf sich einbilden, er wüsste was.
3. Love Parade
Auch hier wird von der Presse gebauscht, dass es weh tut.
Die steigende Zahl der Toten ist für Schlagzeilenschreiber ein Fest. Dass es erstmal keinen Schuldigen gibt: Umso besser! Da kann man getrost in alle Richtungen austeilen. Überhaupt der Volkssport des Beschuldigens. Die anderen sind immer dümmer als man selbst. Man hätte es bestimt besser gemacht.
Heute steht der Duisburger OB tatsächlich vor einer Abwahl. Fühlt sich nun irgendjemand besser? Ein trauriges Ereignis wird durch die nachfolgende Schreierei von allen Seiten nocht trauriger. Und die Art und Weise, wie gierig nach Schuld gesucht wird - wieder: beängstigend.
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